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artour

Kultur, Magazin • 05.11.2026 • 21:15 - 21:45
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Originaltitel
artour - Das Kulturmagazin des MDR
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2026
Kultur, Magazin
Verschwundene Dörfer - Auf Spurensuche im böhmischen Erzgebirge Wo heute dichter Wald wächst, standen einst Häuser, Kirchen und Gasthöfe. Zehntausende Menschen lebten in den Dörfern des böhmischen Erzgebirges. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwanden viele dieser Orte von der Landkarte. Mit der Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung nach dem Kriegsende begann ihr Niedergang. Ganze Orte wurden abgerissen, andere verfielen, manche verschwanden unter Stauseen. Der Journalist Oliver Hach hat sich auf eine Spurensuche begeben. Mit Rucksack und Zelt durchstreifte er die tschechische Seite des Erzgebirges, entdeckte überwucherte Keller, vergessene Friedhöfe und sogar ein altes Wasserrad unter einer dicken Moosschicht. Seine Entdeckungen dokumentiert er in dem Buch "Atlas der verschwundenen Dörfer im böhmischen Erzgebirge" (Verlag Tschirner und Co), für das er 60 ehemalige Ortschaften erkundete. Hach erzählt nicht nur vom Verlust einer Heimat und einer Kulturlandschaft, von einem Bruch in der deutsch-tschechischen Geschichte, ausgelöst durch den Überfall der Nationalsozialisten auf das Nachbarland. Er beschreibt auch, wie Deutsche und Tschechen heute gemeinsam eine lange verdrängte Vergangenheit wiederentdecken - und ein neues Kapitel ihrer Nachbarschaft schreiben. Demokratie im ländlichen Raum - der Kulturbahnhof Leisnig als Positivbeispiel Rund die Hälfte der sächsischen Bevölkerung lebt im ländlichen Raum - eine Region, die ganz besonders von Problemen wie Abwanderung, Alterung und Leerstand betroffen ist. Eine der Folgen dieser Entwicklung: Menschen auf dem Land sind mit der Demokratie deutlich unzufriedener als ihre Landsleute in der Stadt. Bürgermeister berichten von viel Frust und einem immer rauer werdenden Klima in den Gemeinden. Zudem erstarken im ländlichen Raum seit Jahren antidemokratische Kräfte. Ausgerechnet in diese Gemengelage fällt die Ankündigung der Bundesbildungsministerin, ab 2027 zahlreichen Projekten des Förderprogramms "Demokratie leben" die Mittel zu streichen. Initiativen, die sich mit Demokratieförderung und Extremismusprävention im ländlichen Raum auseinandersetzen, stehen vor dem Aus. Auch ein Projekt der "Civic Research and Innovation gGmbH" aus Leipzig endet zum Jahresende vorzeitig. Zum Projektabschluss diskutierten Bürgermeister, Verwaltungsmitarbeitende und Engagierte aus ganz Ostdeutschland bei einer von "Demokratie leben" geförderten Tagung im sächsischen Leisnig darüber, welche Gefahren für die Demokratie im ländlichen Raum bestehen und wie sie vor Ort gezielt gefördert werden kann. Tagungsort war der Kulturbahnhof Leisnig – ein altes Bahnhofsgebäude, das heute als Kulturzentrum eine wichtige Rolle für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Kleinstadt im Muldental spielt. Die Gegenwart kommt sowieso ins Bild David Schnell, geb. 1971, ist ein Maler der "Neuen Leipziger Schule", der den Erfolg verstetigen konnte. Eine Ausstellung in der Kunsthalle G2 zeigt neue Bilder. David Schnell liebt das Spiel mit der Perspektive und den Verführungen durch abstrahierende Formen. Jüngere Bilder sind Architekturen und Stadtbilder, deren Realität er malerisch in Frage stellt. Die Bilder bekommen eine Unsicherheitsrelation zwischen Abstraktion und Wiedererkennung, und sie erschaffen ein Gefühl der Unsicherheit. Der Maler versucht, die Bilder in der Schwebe zu halten, aber sie dokumentieren zweifellos auch die soziale Realität, in der vieles in Frage, in Schieflage geraten ist. "Ihr löscht das Feuer mit Benzin" - Wolf Biermanns unveröffentlichte Tagebücher Mit (fast) 90 dürfte er ein Star der diesjährigen Frankfurter Buchmesse gewesen sein. In den Kinos läuft seit 29. Oktober ein neuer Dokumentarfilm über ihn, und auch Konzerte mit alten und neuen, demnächst auf CD erscheinenden Liedern wird er geben: Wolf Biermann – Lyriker, Liedermacher, Freigeist und Freiheitskämpfer. Vor 50 Jahren, am 16. November 1976, setzte die DDR-Staatsführung den radikal poetischen Systemkritiker vor die Tür. Nach einem heute legendären Konzert in Köln durfte er nicht zurückkehren nach Berlin, in die Chausseestr. 131, seinen 12 Jahre lang rund um die Uhr von der Stasi überwachten Lebens- und Arbeitsmittelpunkt. Auf Biermanns Ausbürgerung folgte ein intellektueller Aderlass, der mit den Repressalien gegen weitere Kulturschaffende die DDR einherging. Jetzt sind, herausgegeben von dem Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk, Auszüge aus Biermanns Tagebüchern der Jahre 1966 - 1976 unter dem Titel "Ihr löscht das Feuer mit Benzin" erschienen. Es ist auch die Selbstbefragung eines Künstlers, der nicht zuletzt sich selbst und seinen "Kindertraum vom Kommunismus" in Frage stellt. "Nur wer sich ändert, bleibt sich treu", meint Wolf Biermann, plädiert weiter dafür, "im Streit mit der Welt nicht den Schwanz einzuziehen" und fragt, in einer zeitlosen Liedzeile: "Wann ist endlich Frieden in dieser irren Zeit?" Kulturkalender * "Nichtseattle" mit neuem Album "Große Liebe" auf Tour, 7.11. Leipzig, 6.12. Jena * euro-scene, 36. Internationales Tanz- und Theaterfestival, Leipzig, 3. bis 8.11. * Ausstellung "Zugvögel" mit Werken von Charlotte Böhm und Eva Giese, Dresden, Justizministerium, bis 17.12.